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Das Duo Bass & Bieder gewinnt das 3. Casting

Der dritte Casting-Abend vom 24. März 2026 bewies eindrücklich, wie breit das Spektrum der jungen Kabarettszene ist. Vier Acts, vier völlig unterschiedliche Handschriften – und ein Publikum, das sich darauf eingelassen und von Christoph Simon geistreich durch diesen unterhaltsamen und vielschichtigen Abend geleitet wurde.

Den Sieg des Abends und damit den Einzug in den Final sicherte sich das Duo Bass & Bieder (Annika Biedermann und Lia Maria Neff) aus Zürich. Ihre Mischung aus Spoken Word, Gesang und Kontrabass bezauberte. Die beiden jungen Frauen verknüpfen verschiedene Bühnenelemente zu einer dichten Performance. Und widmen sich grossen Themen: Geschlechterrollen, Machtverhältnisse und die fragile Balance zwischen Nähe und Selbstbestimmung. Sätze wie «Fass mich an ohne mich zu berühren» oder «Warum bringt ein Glas Wasser meine Autonomie durcheinander?» bleiben ebenso hängen wie ihre zugespitzte Feststellung: «Krieg erklären ist Mansplaining im Endstadion».

Auf den zweiten Platz spielte sich Gregor Biberacher, der mit seinem Programm «Nichts ist wie’s scheint» eine ganz eigene Welt entwarf. Mit trockenem Humor und skurrilen Gedankengängen nimmt er das Publikum mit auf eine Reise durch Alltagsabsurditäten und persönliche Überforderungen. Ob er von seiner Liebe zur Schweiz erzählt, die vielleicht eines Tages erwidert wird, oder sich über die Tücken der Zwei-Faktor-Authentifizierung echauffiert – stets blitzt feine Selbstironie auf. Seine Beobachtungen und Gedankensprünge wirken bewusst überzeichnet und gleichzeitig erstaunlich vertraut.

Ebenfalls im Wettbewerb stand Rico Good, im Hauptberuf Lockführer. Ungeschminkt verbindet er persönliche Anekdoten mit gesellschaftlichen Beobachtungen. Seine sprachlichen Spielereien nehmen immer wieder überraschende Wendungen, etwa wenn er ein drängendes gesellschaftliches Problem konstatiert: «Leerkündigung – in anderen Ländern würde man das wohl ethnische Säuberung nennen.» Und er kalauert über all die Zürcher, die aus Wohnungsnot nach Olten zügeln und dann den lieben langen Tag in unseren Freibädern hocken – da kann man verstehen, wenn die Leute sagen: Das Bad ist voll.

Komplettiert wurde der Abend von der Bündnerin Piera Cadruvi. Weiss eigentlich jemand, fragt sie, wie dieses Leben geht? Man lebt ja nur einmal. In «Die Hauptprobe des Schicksals» nähert sie sich den grossen Fragen des Lebens mit einer Mischung aus Selbstironie und Ehrlichkeit. Zwischen Gedanken über Erwartungen, Lebensentwürfe und dem Älterwerden entwickelt sie eine berührende und zugleich humorvolle Sicht. «Piera, du bist nur einmal jung! Kein Druck also…» Doch der Rucksack wird leichter. «Älter werden ist so geil!» Es geht nicht darum, alles zu erleben, sondern alles zu erfühlen, und die Gefühle auch zuzulassen.

Mit dem Sieg von Bass & Bieder ist das Finalfeld nun komplett. Am 5. Mai treffen die drei Gewinner:innen der Vorrunden im Rahmen der Oltner Kabarett-Tage aufeinander und spielen um den Förderpreis.